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EVEREST 2013

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Climbing Everest 2013 8848m


MANASLU 2011

  



                  
  Climbing Manaslu 2011  8.163m     Climbing Aconcagua 6.962m

                                                                                                                               


                Himalayan Database, Summit Manaslu 04.Oct. 2011               
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2013  Everest – nur der Wille zählt, von 0 auf 8.848 (m)

             


Vom heimischen Winter geht es ins 30 Grad heiße Kathmandu, und nach nur zwei Nächten hoch nach Lukla, auf 2.800m. Das 14-tägige Trekking beginnt wie für alle anderen Trekker auf dem Everest Basecamp Pfad, nur, dass wir nicht am Aussichtspunkt auf 5.300 m stehen bleiben, sondern nach wenigen Metern unser Lager (Basecamp) einrichten, das für die nächsten Wochen unsere Heimat sein wird. Nach etwa einer Woche im BC beginnt die erste von drei Rotationen.
1. Rotation: In sechs Tagen in verschiedenen Etappen geht es zweimal auf den Gipfel des 6.000m Lobuche und beim 2. Mal übernachten wir 2 Nächte auf dem Gipfel. Akklimatisieren nennt man diesen Wahnsinn, den man seinem Körper antut. Außerdem muss es eine Wohltat für die Pharmaindustrie sein, denn so viele Kopfschmerztabletten, wie ich an einem einzigen Tag vertilge, nehme ich sonst in mehreren Jahren nicht. Zusammen mit Javier, meinem mexikanischen Leidensgenossen, zähle ich wie im Countdown die Stunden bis zum Abstieg, bei 44 h beginnend. Nach sieben Tagen sind wir geschwächt zurück im Basecamp und ich frage mich, wie ich je weiter hoch kommen kann, wenn jetzt schon meine Kräfte am Ende sind. Unerträgliche Mittagshitze und glasklare Zitternächte wechseln sich ab. Nachdem alle ohne Zwischenfälle im BC angekommen sind, veranstaltet unser „Chef“ Russel Brice eine Party, Champus und Dosenbier gibt’s ohne Limit und die Stimmung der Truppe steigt wieder an.
Dann auf zur 2. Rotation: Nun geht’s zum ersten Mal nachts durch den Eisbruch, Lawinen sieht und hört man und hofft einfach, dass sie neben einem runter gehen. Camp 1 passieren wir, da es hier zu gefährlich istund gehen weiter hinein ins brütend heiße Western Cwm (‚Kuhm’ gesprochen) auch bekannt als das Tal des Schweigens. Weil ich mal wieder wegen meiner Langsamkeit hinten dran hänge, kann ich die Hitze voll auskosten. Jeder Schritt dauert Minuten und obwohl das Camp 2 in Sichtweite ist. brauche ich noch 3 ½ Stunden bei etwa 30 Grad im reflektierenden Eis. Am Ende jeglicher Motivation und körperlicher Kraft hangle ich mich ins Camp 2 und will auf der Stelle nach Hause.
Drei Tage bleiben wir im Camp 2 und dann geht es auf nach Camp 3 in 7.350m Höhe, das wir ohne Sauerstoff über die steile blau geeiste Lhotse Flanke erklimmen. Erste Nacht in dieser Höhe auch wieder ohne Sauerstoff. Dank der Kopfschmerztabletten mache ich für wenige Minuten die Augen zu. Es ist eine kalte und zugige Nacht, etwa Minus 30 Grad. Am Morgen Abstieg mit eingefrorenen Fingern, die vergeblich nach dem Sicherungsseil greifen wollen, Ausrutscher auf festem blauen Blankeis, das Seil hängt in der Ellenbogenbeuge und ich rutsche gleichzeitig mit den Steigeisen voraus über die Lhoste Flanke. In zwei Tagesetappen hinunter ins Basecamp und auch diese (Tor-)Tour ist erfolgreich abgeschlossen,
Dann kommt das Warten. Die Sherpas versichern bis zu Camp 4 auf knapp 8.000 m die Route müssen aber wegen der kalten Winde abbrechen. Winde bei 50 km/h verursachen Temperaturen von -50 Grad und kälter. Nach Tagen von Auf- und Abstiegen schaffen sie es bis zum Balkon, dann zum Südgipfel und schließlich am 10.5 auch noch bis zum Hauptgipfel. Die Route für dieses Jahr ist eröffnet. Bis zum 29.5. bleib das Zeitfenster für alle Besteigungen. Jetzt muß nur noch das Wetter mitspielen.

              


Gipfeltag-Summit day 23.5.2013, können tue ich nicht, aber wollen schon noch ein bisschen - das bisschen wird auch schon weniger. Aufstieg am Fixseil; mit Sherpa Urken am Kurzseil stapfen wir in die Dunkelheit. Nach etwa einer Stunde geht’s in die steile Flanke Richtung Balkon und ich will wieder aufhören, ich kann nicht mehr, es geht nicht mehr, keine Puste trotz vier l reinsten, besten Sauerstoff in der Min. - es reicht trotzdem nicht. Für einen Schritt von 20 cm brauche ich vier Atemzüge. Dazwischen stütze ich mich auf die Knie, um nicht umzufallen. Urken zupft immer wieder am Seil, er lässt nicht locker, ohne ihn wäre ich schon lange umgekehrt, keine Energie, keine Kraft, kein Wille mehr. Und den habe ich jetzt auch verloren und das war immer noch das einzige, das mich weitergebracht hat. Es ist soweit, ich kann verstehen, warum sich zwei Tage vorher ein Gipfelbezwinger rd. 100m unterhalb des Gipfels in den Schnee gesetzt hat und nicht mehr aufgestanden ist. Die Überanstrengung ist so immens, dass man alles andere vergisst und nur noch ans Beenden denkt. Später beim Abstieg werden wir über seinen blauen Daunenanzug, der im Schnee eingeeist ist, stolpern. Er ist am Berg geblieben oder der Berg hat ihn behalten. Ich fange an die Schritte zu zählen, damit ich wenigstens etwas zu tun habe bei der Anstrengung und nicht ans Aufhören denke. Bis 200 geht’s, dann verzähle ich mich wieder und wieder und fange von vorne an, wie oft weiß ich nicht mehr. Auf dem Balkon halten wir einen kurzen Augenblick, Urken wechselt meine Sauerstoffflasche und trennt mich kurz von der Aufstiegsdroge. Mir verschnürt es die Kehle, ich atme wie beim Joggen und ersticke trotzdem (fast). Dann pfeift wieder die Flasche und der Sauerstoff strömt. Ich lebe wieder. Weiter geht’s in die Nacht, ich schaue auf und sehe eine unendliche Lichterkette vor mir, aber kein Ende. Aufhören, aufhören, langsam, Stop rufe ich durch die Sauerstoffmaske Urken zu. Er hört mich nicht,denn der kalte Wind trägt mein Rufen nur in die stockfinstere Nacht.
Wir erreichen den Südgipfel, wieder das gleiche Spiel, Sauerstoff weg und neue Flasche, aufatmen und weiter stolpern. Die Sonne kommt und ich stehe unterm Hillary Step. Jetzt, genau jetzt, weiß ich zum ersten Mal: Ich kann und werde es schaffen, mit Euphorie und dem letzten Adrenalin geht’s durch den stärker aufkommenden Wind Richtung Gipfel. Die Temperaturen fallen auf etwa -40°, die Trinkflasche im Daunenanzug gefriert und die Akkus der Photos versagen. Trotzdem werden ein paar Gipfelfotos gelingen. Die Aussicht ist zwar atemberaubend aber das ist die Höhe auch.
Oben – geschafft, der höchste Berg der Welt liegt unter mir. Viele Jahre träumen, planen und Vorbereitungen haben ein Ende, einen Höhepunkt und einen Abschluss. Aus vorbei und abgehakt.
Es ist so scheißkalt (sorry, kälter als kalt) dass ich nur noch runter will.
Beim Abstieg kommt die Sonne, es wird wärmer. Erst jetzt merke ich so langsam, dass ich es geschafft habe. Glücksgefühl stellt sich ein. Der Abstieg gleicht eher einem Stolpern als einem Laufen. Mehrfach falle ich über meine eigenen Füße und Steigeisen, der Daunenanzug hat eh schon ein Loch am Knie und die Daunen fliegen wie bei Frau Holle hinter mir her. Feinste Gänsedaunen, die mich wärmen sollten. Abstieg am Ende der Kräfte. – nein, das Ende hatte ich schon längst hinter mir, warum ich überhaupt noch gehen kann, ist mir selbst ein Rätsel. Angekommen im Camp 4 trinke ich erst mal zwei Liter, dann heißt es Rucksack zusammenpacken und weiter nach unten. Nun geht’s ohne zu denken nach bergab, Schritt für Schritt, nach jedem dritten Schritt ein Stolperer. Schon lange ist es egal, dass die Steigeisen bei jedem Fehltritt die mit Kevlar besetzten Boots aufreißen. Ein Körper-ein Schmerz. Lager 3 ist bereits von unseren Sherpas geräumt also geht’s weiter zu Lager 2, wo ich am Nachmittag eintreffe. Völlig verausgabt bin ich nicht mehr in der Lage mich auszuziehen, falle auf den Boden und werde mit Getränken versorgt. Dann esse und ruhe ich etwas, denn in der Nacht geht’s weiter zum Basecamp. Auch wieder in den frühen Morgenstunden, um den Eisbruch möglichst vor dem Morgen zu durchqueren. Alles geht nur noch langsam und träge und im Eisbruch falle ich mehrmals über das Sicherungsseil, über meine eigenen Füße und über Eisschollen. Nach viereinhalb Tagen Aufstieg und eineinhalb Tagen Abstieg erreiche ich das Basecamp, weinend vor Freude und Erschöpfung.

Ein ganz großes Danke an meine Familie, dass ich das erleben durfte!
Bei den letzten Aufstiegen zum Dach der Welt habe ich mir geschworen: Nie wieder!

Herbert Hellmuth
23. Mai 2013, als 61. Deutscher am Gipfel des Mount Everest, über die Südroute von Nepal aus




Manaslu 2011

Ende 2009 die Erste Reise nach Nepal, Katmandu und ein spektakulärer Flug auf den gefährlichsten Flughafen der Welt in Lukla, Trekking zum Everest Base Camp, Kala Patthar 5.675m, Chukkung Ri 5.559m und Gletscherauftstieg zum Island Peak 6.189m wiederum bei eisigen Temperaturen zu Beginn des Winters und als letzter der Saison. Everest, Lohtse und Nuptse, sowie den Makalu vor Augen wächst das Verlangen, die unzähmbare Gier nach Mehr lässt nicht mehr locker. Stundenlang beobachte ich den Kumbu Eisbruch und das Western Cum, der Einstieg in die Lhotse Wand, der Weg zum Camp 3 und 4 für Everest und Lhotse Besteigungen. Die Bilder der 1996er Katastrophe am Everest South Col vor Augen sehe ich nun live die Route von Camp 4 über den Balkon zum Südgipfel und letztendlich auch den Hauptgipfel mit 8.848m.



Am Manaslu mit 8.163 m gibt es z. B. zwischen Camp 1 und 2 äußerst heikle Passagen, mehrere Stunden verläuft die Route im Gletscherbruch unter ständig herab brechenden Eistürmen, jeder einzelne ist größer als mein Einfamilienhaus. Bereit für das Ziel starte ich Ende August 2011 wieder nach Nepal um dem Manaslu einen Gipfelversuch abzuringen. Alles in Allem ein gelungenes Projekt mit körperlichen Entbehrungen, sowie moralischen Tiefpunkten die mein Geist und meine Seele bislang noch nicht kannten. Etwa 5 Wochen halten wir uns auf knapp 5.000 m auf. In 3 Rotationen soll es zum Gipfel gehen. Vier Hochlager in 5.800, 6.300, 6.800 und 7.400m werden errichtet, z. T. mit Fixseilen versichert. Schneestürme, Lawinen als auch ein Erdbeben mit 6.8, das ich in 6.300m zitternd im Zelt, erlebt habe, verschütten immer wieder die Route, Fixseile, Zelte und die Arbeiten beginnen wieder von Null. Während des Bebens knattern die dünnen Zeltwände obwohl es windstill ist. Die anfänglich trockenen Bedingungen ändern sich radikal in mir bislang unbekannte Neuschneebedingungen die einen Wiederaufstieg unmöglich machen. Zermürbende Wartezeit im Base Camp, Planungen für den Abbruch, und stündliches checken der Wetterlage, Höhenstürme und Jet-Stream wechseln sich tagelang ab. Im Jet-Stream fallen die Temperaturen aufgrund der Windgeschwindigkeiten schnell unter minus 50 Grad. Als die Vorräte sich bereits zu Ende neigen und die Abreise schon geplant ist, öffnet sich ein vages Wetterfenster. Aufbruchsstimmung, Aufregung und Gipfelfieber beginnen von Neuem. Vier Tage Aufstieg in


die vier Camps, und dann der Gipfeltag. Sherpas sind 1 Tag im Vorlauf um die zerstörten Camps wieder aufzubauen und Camp 4 und die Gipfeletappe zu versichern. Die Tage sind fast Windstill, aber die Nächte haben es in sich. 20 Grad Minus im Zelt sind keine Seltenheit. Der Wind lässt die Zeltwänden schlagen, so dass an ein Verlassen des Zeltes nicht möglich ist. Pünktlich zum Sonnenaufgang legt sich der Wind am Gipfeltag und wir starten um 5 Uhr bei etwa Minus 30 Grad zur letzten Etappe. Dass sich an der Route zum Gipfel ungeborgene Leichen aus früheren Expeditionen befinden wird zwar im Unterbewusstsein registriert, jedoch wegen der Überlebenstaktik des eigenen Körpers ausgeblendet. In etwa 7.900 m wird die Sauerstoffflasche gewechselt. Bis dahin hatte ich ein gutes Gefühl an der „Nuckelflasche“, aber mit der neuen Flasche scheint etwas nicht zu passen. Ich Atme und Atme, aber es reicht irgendwie nicht. Kontrollen durch Sherpa und Bergführer bestätigen die richtige Einstellung und Eisfreiheit der Ventile, trotzdem passt es nicht so richtig. Es beginnen heftigste Kopfschmerzen bei jedem Schritt. Mein Kopf fühlt sich an, als würde bei jedem Auftreten ein Schlag mit der Eisaxt meinen Hinterkopf treffen. Der Gedanken nach einem Hirnödem lässt mich nicht mehr los. Den Gipfel im Blick, was tun, umdrehen? Bestimmt kein Hirnödem stelle ich mir vor, die Blutwerte heute früh waren ja noch gut. Also geht’s weiter, ist ja nicht mehr weit. Beflügelt vom Flaschensauerstoff startete ich zwar als letzter erreiche aber nach mehreren Überhohlvorgängen als erster zusammen mit meinem Gipfelsherpa Lhakpa Nuru und Bergführer Jaime Avila in dieser Herbstsaison den Gipfel. Bei grandioser Sicht und Wetterverhältnissen schaffe ich es sogar 60 Sekunden am Gipfel für 3 Fotos zu verweilen. Der unsichere Schneehang lässt keinen längeren Aufenthalt zu. Der Abstieg ins Camp 4dauert sage und schreibe 28 Minuten. Der folgende Abstieg ist kurzweilig, da die Ermüdung und Dehydrierung zu mehreren Stürzen zum Teil an den Rand von Gletscherspalten führt. In einer gefürchteten Rinne oberhlab von Camp 2 stürze und überschlage ich mich. Die losgetretene Lawine fällt über mich her und ich neige instinktiv den Kopf nach unten. Die riesigen Schneemassen verschwinden kurz unter mir im Nichts. Mit drei höllisch schmerzenden Fingern halte ich mich am Fixseil Kopfüber und registriere dass etwa 2 m unterhalb eine Gletscherspalte die gesamten Schneemassen aufsaugt. Die Spalte füllt sich aber nicht. Es ist kein Grund in Sicht, also beißen sich meine 3 Finger noch fester um das Seil. Ob der mit mir absteigende Sherpa mich herausholen könnte? Schießt mir durch den Kopf. Er hat bereits 3.300 m Aufstieg, 2.000 m Abstieg und eine schlaflose Nacht hinter sich, sowie 60 kg Gepäck auf dem Rücken, bei einem Eigengewicht von vielleicht 40 kg. Irgendwie schaffe ich dann doch mich zu drehen, und mehrere Schritte im hüfthohen Schnee weg von der Spalte. Die Strapazen ähneln dem 3 fachen Wkel nur die Dauer vervielfacht sich. Die geplante Übernachtung in Camp 2 am Ende des Gipfeltages übergehe ich und starte zusammen mit dem Restgepäck und Abfall aus 4 Camps noch mal durch zum Basecamp. Nach 700 m Aufstieg und 3.300 m Abstieg erwartet mich Dosenbier und ein warmes Abendessen, eine Wohltat für Leib und Seele nach 4 Tagen Volldiät. Es wurde mir ein Kalorienverbrauch von 10- 15000 für jedem Tag Aufenthalt in der Todeszone ab 7.000 vorhergesagt. Und das lässt sich auch nach 10 kg Gewichtsreduzierung nachvollziehen. Einigen Behauptungen zum Trotze musste ich spüren dass man eine Erfrierung eben nicht spüren kann, sie kommt schleichend und die Grenze zwischen kalt und erfroren ist nicht erkennbar. Leider hat es eine meiner Zehen erwischt.
Einmalig dieses Erlebnis, diese Strapazen und das Erfolgsgefühl. Gefragt nach der schönsten Situation der gesamten Expedition, fällt mir spontan der Empfang meiner Familie am Flughafen in Frankfurt ein. Vielen Dank dass ich das erleben durfte.


 Running

 Zugspitzlauf 2011 und 2012  Video 2012:   http://youtu.be/XS1w12587ao