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Letzte Aktivitäten

Ende 2009 die Erste Reise nach Nepal, Katmandu und ein spektakulärer Flug auf den gefährlichsten Flughafen der Welt in Lukla, Trekking zum Everest Base Camp, Kala Patthar 5.675m, Chukkung Ri 5.559m und Gletscherauftstieg zum Island Peak 6.189m wiederum bei eisigen Temperaturen zu Beginn des Winters und als letzter der Saison. Everest, Lohtse und Nuptse, sowie den Makalu vor Augen wächst das Verlangen, die unzähmbare Gier nach Mehr lässt nicht mehr locker. Stundenlang beobachte ich den Kumbu Eisbruch und das Western Cum, der Einstieg in die Lhotse Wand, der Weg zum Camp 3 und 4 für Everest und Lhotse Besteigungen. Die Bilder der 1996er Katastrophe am Everest South Col vor Augen sehe ich nun live die Route von Camp 4 über den Balkon zum Südgipfel und letztendlich auch den Hauptgipfel mit 8.848m.



Am Manaslu mit 8.163 m gibt es z. B. zwischen Camp 1 und 2 äußerst heikle Passagen, mehrere Stunden verläuft die Route im Gletscherbruch unter ständig herab brechenden Eistürmen, jeder einzelne ist größer als mein Einfamilienhaus. Bereit für das Ziel starte ich Ende August 2011 wieder nach Nepal um dem Manaslu einen Gipfelversuch abzuringen. Alles in Allem ein gelungenes Projekt mit körperlichen Entbehrungen, sowie moralischen Tiefpunkten die mein Geist und meine Seele bislang noch nicht kannten. Etwa 5 Wochen halten wir uns auf knapp 5.000 m auf. In 3 Rotationen soll es zum Gipfel gehen. Vier Hochlager in 5.800, 6.300, 6.800 und 7.400m werden errichtet, z. T. mit Fixseilen versichert. Schneestürme, Lawinen als auch ein Erdbeben mit 6.8, das ich in 6.300m zitternd im Zelt, erlebt habe, verschütten immer wieder die Route, Fixseile, Zelte und die Arbeiten beginnen wieder von Null. Während des Bebens knattern die dünnen Zeltwände obwohl es windstill ist. Die anfänglich trockenen Bedingungen ändern sich radikal in mir bislang unbekannte Neuschneebedingungen die einen Wiederaufstieg unmöglich machen. Zermürbende Wartezeit im Base Camp, Planungen für den Abbruch, und stündliches checken der Wetterlage, Höhenstürme und Jet-Stream wechseln sich tagelang ab. Im Jet-Stream fallen die Temperaturen aufgrund der Windgeschwindigkeiten schnell unter minus 50 Grad. Als die Vorräte sich bereits zu Ende neigen und die Abreise schon geplant ist, öffnet sich ein vages Wetterfenster. Aufbruchsstimmung, Aufregung und Gipfelfieber beginnen von Neuem. Vier Tage Aufstieg in

die vier Camps, und dann der Gipfeltag. Sherpas sind 1 Tag im Vorlauf um die zerstörten Camps wieder aufzubauen und Camp 4 und die Gipfeletappe zu versichern. Die Tage sind fast Windstill, aber die Nächte haben es in sich. 20 Grad Minus im Zelt sind keine Seltenheit. Der Wind lässt die Zeltwänden schlagen, so dass an ein Verlassen des Zeltes nicht möglich ist. Pünktlich zum Sonnenaufgang legt sich der Wind am Gipfeltag und wir starten um 5 Uhr bei etwa Minus 30 Grad zur letzten Etappe. Dass sich an der Route zum Gipfel ungeborgene Leichen aus früheren Expeditionen befinden wird zwar im Unterbewusstsein registriert, jedoch wegen der Überlebenstaktik des eigenen Körpers ausgeblendet. In etwa 7.900 m wird die Sauerstoffflasche gewechselt. Bis dahin hatte ich ein gutes Gefühl an der „Nuckelflasche“, aber mit der neuen Flasche scheint etwas nicht zu passen. Ich Atme und Atme, aber es reicht irgendwie nicht. Kontrollen durch Sherpa und Bergführer bestätigen die richtige Einstellung und Eisfreiheit der Ventile, trotzdem passt es nicht so richtig. Es beginnen heftigste Kopfschmerzen bei jedem Schritt. Mein Kopf fühlt sich an, als würde bei jedem Auftreten ein Schlag mit der Eisaxt meinen Hinterkopf treffen. Der Gedanken nach einem Hirnödem lässt mich nicht mehr los. Den Gipfel im Blick, was tun, umdrehen? Bestimmt kein Hirnödem stelle ich mir vor, die Blutwerte heute früh waren ja noch gut. Also geht’s weiter, ist ja nicht mehr weit. Beflügelt vom Flaschensauerstoff startete ich zwar als letzter erreiche aber nach mehreren Überhohlvorgängen als erster zusammen mit meinem Gipfelsherpa Lhakpa Nuru und Bergführer Jaime Avila in dieser Herbstsaison den Gipfel. Bei grandioser Sicht und Wetterverhältnissen schaffe ich es sogar 60 Sekunden am Gipfel für 3 Fotos zu verweilen. Der unsichere Schneehang lässt keinen längeren Aufenthalt zu. Der Abstieg ins Camp 4dauert sage und schreibe 28 Minuten. Der folgende Abstieg ist kurzweilig, da die Ermüdung und Dehydrierung zu mehreren Stürzen zum Teil an den Rand von Gletscherspalten führt. In einer gefürchteten Rinne oberhlab von Camp 2 stürze und überschlage ich mich. Die losgetretene Lawine fällt über mich her und ich neige instinktiv den Kopf nach unten. Die riesigen Schneemassen verschwinden kurz unter mir im Nichts. Mit drei höllisch schmerzenden Fingern halte ich mich am Fixseil Kopfüber und registriere dass etwa 2 m unterhalb eine Gletscherspalte die gesamten Schneemassen aufsaugt. Die Spalte füllt sich aber nicht. Es ist kein Grund in Sicht, also beißen sich meine 3 Finger noch fester um das Seil. Ob der mit mir absteigende Sherpa mich herausholen könnte? Schießt mir durch den Kopf. Er hat bereits 3.300 m Aufstieg, 2.000 m Abstieg und eine schlaflose Nacht hinter sich, sowie 60 kg Gepäck auf dem Rücken, bei einem Eigengewicht von vielleicht 40 kg. Irgendwie schaffe ich dann doch mich zu drehen, und mehrere Schritte im hüfthohen Schnee weg von der Spalte. Die Strapazen ähneln dem 3 fachen Wkel nur die Dauer vervielfacht sich. Die geplante Übernachtung in Camp 2 am Ende des Gipfeltages übergehe ich und starte zusammen mit dem Restgepäck und Abfall aus 4 Camps noch mal durch zum Basecamp. Nach 700 m Aufstieg und 3.300 m Abstieg erwartet mich Dosenbier und ein warmes Abendessen, eine Wohltat für Leib und Seele nach 4 Tagen Volldiät. Es wurde mir ein Kalorienverbrauch von 10- 15000 für jedem Tag Aufenthalt in der Todeszone ab 7.000 vorhergesagt. Und das lässt sich auch nach 10 kg Gewichtsreduzierung nachvollziehen. Einigen Behauptungen zum Trotze musste ich spüren dass man eine Erfrierung eben nicht spüren kann, sie kommt schleichend und die Grenze zwischen kalt und erfroren ist nicht erkennbar. Leider hat es eine meiner Zehen erwischt.
Einmalig dieses Erlebnis, diese Strapazen und das Erfolgsgefühl. Gefragt nach der schönsten Situation der gesamten Expedition, fällt mir spontan der Empfang meiner Familie am Flughafen in Frankfurt ein. Vielen Dank dass ich das erleben durfte.